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MoHo Wirte auf Tour
„Wo machst du denn Urlaub, wenn du dein Hotel zusperrst?“ ist eine Frage, die fast jedem MoHo-Wirt von seinen Gästen irgendwann gestellt
wird. „Relaxen, Sonne, Sand und Meer“ wird dann meist als Antwort erwartet.
Ganz anders sehen das Christian, vom Hotel Solaria in Obertauern, Richard vom Schlosshotel Seewirt auf der Turracherhöhe und Günter vom
Landhaus Jausern in Saalbach. Obwohl Sonne, Sand und Meer waren auch das Ziel ihrer Reise, allerdings kann von relaxen wirklich nicht
die Rede sein, es handelt sich nämlich um eine einwöchige Endurotour.
In der zweiten Oktoberwoche brachen die drei MoHo-Wirte zusammen mit mehreren Freunden nach Bulgarien auf.
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Motorräder und Gepäck wurden bereits einige Tage zuvor vom Organisator der Reise nach Stara Zagora gebracht, die Teilnehmer reisten
bequem per Flugzeug an. In Stara Zagora wurden sie bereits von Joro erwartet. Joro ist der Kopf des in Stara Zagora ansässigen
Enduroclubs „Crazy Job“, der vor Ort alles für eine solche Reise organisiert. Ohne einen Einheimischen Guide wäre man ziemlich
verloren, in einem Land, in dem man nicht einmal Wegweiser lesen kann – die sind nämlich in Kyrillisch geschrieben – noch irgend
ein Wort der Landessprache versteht.
Schon die einfachsten Handlungen werden zum Problem, wenn man nicht mit den Gepflogenheiten des Landes vertraut ist. Steht man zum
Beispiel mit dem Motorrad an der Zapfsäule, kommt der Tankwart heran, nimmt die Zapfpistole aus der Verankerung und fragt
„wotschnanetschkucz?“ (oder so ähnlich) was wahrscheinlich so viel wie „Super – voll machen?“ bedeutet. Beantwortet man das mit einem
freundlichen Kopfnicken, schaut er griesgrämig, hängt den Schlauch wieder ein und geht !? Das passiert jedem der nicht weiß, dass in
Bulgarien nicken „nein“ und Kopfschütteln „ja“ bedeutet.
Von Stara Zagora aus, ging die Tour über einen Höhenzug – die Stara Planina – einen Weitwanderweg entlang bis an den Sonnenstrand am
schwarzen Meer und dann wieder retour. Die erste Tagesetappe war mit ca. 160 Kilometern gleich eine von den ausgiebigeren.
Offroadanteil gut 90 %. Anfangs schlängelte sich die Strecke noch gemütlich einem kleinen Flüsschen entlang bevor es dann richtig
in die Berge ging.
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Bald wartete auch schon die erste gruppendynamische Herausforderung in Form eines platten Hinterreifens. Da zeigt sich schnell, ob eine
Gruppe gut organisiert ist und funktioniert. Müsste jeder alles mitschleppen, was man auf so einer Endurotour braucht, wäre das schon
sehr mühsam. So hat einer den Ersatzschlauch, der Nächste die Montiereisen, der Andere die Luftpumpe im Rucksack und wieder ein Anderer
kann mit all dem umgehen und ruck zuck den Schlauch wechseln. Wer nichts dazu beitragen kann, schießt wenigstens ein paar Fotos von der
Aktion für die Nachwelt.
Die hohen Anforderungen an Mensch und Material ließen nicht lange auf sich warten. Feuchter Waldboden und schmierige Wege wechselten
sich mit steinigen Auffahrten ab, garniert mit laubbedeckten Wurzeln und unzähligen quer liegenden Bäumen die entweder um- oder
überfahren werden wollten. Mehrmals mussten Passagen mit vereinten Kräften bewältigt werden, schnell zeigte sich, dass es sich hier um
Teamsport handelt.
„Duro“ bedeutet „hart“ auf Italienisch oder Spanisch, „to endure“ im Englischen bedeutet „durchhalten oder überstehen“. So konnten
unsere drei MoHo-Wirte auch gleich am ersten Tag die Bedeutung des Wortes Enduro in vollem Umfang am eigenen Leib verspüren und kennen
lernen.
Einsetzender Regen erschwerte mehr und mehr das Weiterkommen, auch die fortschreitende Ermüdung einiger Teilnehmer trug nicht gerade
zum schnellen Vorankommen bei.
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Bei einem Motorrad streikte die Batterie und somit der E-Starter, ankicken war sehr mühsam und nur mit
der richtigen Technik und goldenem Wadel von Erfolg gekrönt. Einige mussten schon auf Reserve schalten, weil sie ihr Moped schon mehrmals
in Seitenlage geparkt hatten und dabei einiges an Sprit verloren.
Ein dichtes Laubdach verhinderte dann noch den GPS-Empfang, starker Regen verwischte die Spuren der ersten Gruppe, Markierungen waren
in der anbrechenden Dämmerung schwer auszumachen und so passierte dem Tourguide ein gravierender Navigationsfehler mit Folgen. Er folgte
einem falschen weg, der nach und nach so steil wurde, dass ein Umdrehen unmöglich gewesen wäre. Keiner hätte diese steinige Etappe mehr
gepackt.
Vielen Wege führen bekanntlich nach Rom, aber keiner wollte nach Kottel – dem eigentlichen Etappenziel des Tages – führen. Etliche Male
musste die Gruppe umkehren weil jeder Weg den sie langfuhr als Sackgasse endete oder unpassierbar mit umgestürzten Bäumen verlegt war.
Bei jedem Stopp wurden die Motoren sofort abgestellt um Sprit zu sparen. Dabei gehen aber auch die Lichter aus. Mittlerweile war es
stockdunkel geworden und die größte Gefahr war, dass sich in dieser misslichen Lage noch jemand verletzt oder bei einem Umkehrmanöver
verloren geht. Ein Königreich für eine Stirnlampe – aber die war in den unermesslichen Tiefen des Rucksacks verborgen.
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Die Lage schien aussichtslos, keiner wusste mehr wie es weitergehen könnte. In den Alpen steht hinter jeder Ecke ein Heuschober oder
eine Hütte in der man notdürftig übernachten könnte. Aber hier war auf den letzten hundert Kilometern nicht ein einziges Gebäude zu
sehen, das der Gruppe hätte Unterschlupf bieten können.
Da tauchte plötzlich im Schleier der Nacht ein blaues Gebilde auf, mit vergitterten Fenstern und vier Rädern. Ein rundherum schon halb
zugewachsener Bus, oder besser gesagt ein geschlossener Anhänger, der vermutlich einmal als Quartier für Holzarbeiter gedient haben
dürfte, schien die Rettung zu sein. Rasch wurde der Entschluss gefasst hier zu übernachten. Alleine das Wissen ein Dach über dem Kopf
zu haben ließ die Gruppe schon jubeln, als ob sie gerade in ein Viersternehotel eingezogen wäre. Wenngleich schon noch einige wichtige
Features zur Aufnahme in den erlauchten Kreis der „MoHo – Motorrad Hotels“ fehlten. Zentimeterdicker Moder und Gammel wurden einfach
ignoriert, im fahlen Schein der mittlerweile hervor gekramten Taschenlampen konnte man ohnehin recht wenig erkennen – was sicher kein
Fehler war.
Grelle Blitze erhellten kurz die finstere Nacht, schwerer Regen prasselte auf die rostige Behausung nieder. Jeder versuchte sich so
gut wie möglich trocken zu legen, Mützen wurden aus den Rucksäcken gekramt, die letzten Müsliriegel halbiert und in der Gruppe
aufgeteilt.
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Die Wasservorräte waren schon längst aufgebraucht, und nur wer sich im Stockdunkeln in den Regen hinaus stellte konnte
nach fünf Minuten ungefähr drei Stamperl Regenwasser aus der verrosteten Regenrinne in seiner Wasserflasche ernten.
Hunger und Durst waren bald vergessen, gegen die Kälte halfen notdürftig Alu-Rettungsdecken. So fand irgendwann jeder sein mehr oder
weniger bequemes Plätzchen für die Nacht, der Eine oder Andere fand sogar ein paar Stunden Schlaf und mancher war sicher in der Ferne
sogar die Wölfe heulen gehört zu haben. Plötzlich wurde die Stille jäh unterbrochen: Ein heftiges, nerviges Getütle wurde sogleich
durch schallendes Gelächter der Gruppe übertönt. Als dann alle ihre Handys auf lautlos gestellt oder ausgeschaltet hatten, war nichts
so sicher, als das irgendwann die Nacht zu Ende gehen – und ein neuer Tag beginnen würde.
Im hellen Licht des nächsten Morgens war auch gleich ein viel versprechend aussehender Weg gefunden. 2 Motorräder wurden mit dem
Restlichen Benzinvorräten aus allen Tanks befüllt und zwei Leute losgeschickt um neuen Treibstoff zu besorgen.
Irgendwann gelang es sogar ein kleines Feuerchen zu entfachen und die starren Glieder etwas zu erwärmen. Plötzlich war Motorengeräusch
zu hören. Joro, der sich alleine aufgemacht hatte die vermisste Truppe zu suchen, brach aus dem undurchdringlichen, grünen Dickicht
hervor. Der Jubel war groß.
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Als dann auch noch die zwei Ausgesandten mit je einem Riesen Kanister Sprit um den Bauch gebunden, unter
tosendem Applaus wieder am Bus eintrafen, war bald ein Ausweg aus der misslichen Lage gefunden.
Am frühen Nachmittag traf die vermisste Truppe dann am Etappenziel des Vortages, einer kleinen Pension am Ortsrand von Kottel ein und
wurde von der anderen Gruppe mit tosendem Beifall, heißem Tee und einigen Flaschen Kamenitza Bier empfangen.
Das Erstaunliche ist nur, dass sich keiner der kurzzeitig Verschollen bisher über die unbequeme Nacht beklagt hat. Vielmehr war –
nachdem ja alles einen guten Ausgang gefunden hat – jeder irgendwie froh dieses Abenteuer erlebt und gemeistert zu haben. Obwohl
eigentlich an diesem Tag so vieles schief ging, konnte doch jeder diesem Erlebnis irgendetwas positives abgewinnen.
Derart gruppendynamisch gestählt, waren die nächsten Etappen geradezu ein Klacks und so erreichten alle Teilnehmer bald die Küste des
Schwarzen Meeres, den Sonnenstrand zwischen Nessebar und Sveti Vlas. Sand und Meer waren reichlich vorhanden, die Sonne ließ sich aber
etwas bitten. Was jedoch kein Nachteil war, denn so war der in den Sommermonaten ölsardinenmäßig übervölkerte Strand so menschenleer,
dass die Gruppe sogar einige Kilometer am Meer entlang durch den feinen weißen Sand pflügen konnte.
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Ein Ruhetag bescherte Erholung für Mensch und Maschine, die Motorräder wurden gesäubert und für den Rückweg mit ein paar Spritzern
frischen Öles wieder flott gemacht.
Die Tour zurück nach Stara Zagora führte großteils über die gleichen Wege und wurde daher von den Teilnehmern problemlos bewältigt.
Einzig die sich abends gegenseitig zu erzählenden Erlebnisse wurden immer mehr und daher für manche die Nächte immer kürzer. Die
Truppe traf nach sechs Tagen wieder wohlbehalten am Ziel ein, neue Freundschaften wurden geknüpft und vielfach wurde sich gegenseitig
versichert, irgendwann wieder gemeinsam auf Abenteuersuche zu gehen.
Günter, Richard und Christian haben jedenfalls wieder genug erlebt um mit spannenden Schilderungen ihres Abenteuers abends an der Bar
die Gäste in den Bann zu ziehen.
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